Erfolgsgeschichten aus Hessen


EU-Förderung für bahnbrechende Innovation aus Nordhessen

A. Wolff von Gudenberg, Kasseler Stottertherapie

Stottern ist für Betroffene in jeder Hinsicht eine äußerst problematische Redeflussstörung. Sie prägt jeden Tag, beeinträchtigt Lebensqualität, Lebensfreude und beeinflusst nicht selten die ganze Lebensplanung. Als persönlich Betroffener gründete Dr. Alexander Wolff von Gudenberg 1996 die Kasseler Stottertherapie (KST). Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Stimm- und Sprachstörungen. Das nordhessische Bad Emstal ist Sitz der zentralen Therapieeinrichtung – Außenstellen befinden sich in Berlin, Hattingen, Nürnberg, Lüneburg und am Bodensee.

KST wendet die verhaltenstherapeutische „Fluency Shaping“-Methode an. In Intensivkursen mit systematischer Nachsorge können sich sowohl Kinder als auch Jugendliche und Erwachsene ein dauerhaft flüssigeres Sprechen erarbeiten. Über 2400 Patienten haben die krankenkassenfinanzierte Therapie bisher durchlaufen.

 

Ihre Wirkung wird fortlaufend von unabhängigen Wissenschaftlern untersucht und ausgewertet.In Kombination mit den Erkenntnissen der medizinischen Hirnforschung wird die mehrfach ausgezeichnete KST-Methode kontinuierlich weiterentwickelt. So zeigten die Erfahrungen aus fast 3000 therapeutischen Sitzungen und die Ergebnisse einer Studie, dass Präsenz- und Onlinetherapie ähnlich effektiv sind. Inhalte der Präsenztherapie können mithilfe einer Videokonferenzplattform in den virtuellen Therapieraum übertragen werden. Diese innovative Teletherapie, seit 2012 fester Bestandteil des Therapiekonzepts, unterstützt die entscheidende Phase der Nachsorge durch regelmäßige Gruppensitzungen online.

Hierauf basiert das EU-Projekt, das Dr. Wolff von Gudenberg plant, gemeinsam mit den Programmierungsexperten Silicon Planet GmbH als Koordinator und dem Syte Strategy Institute for Telemedicine, beide mit Sitz in Hamburg. In einem ersten Schritt reichten sie im „KMU-Instrument“ des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ einen Antrag für eine Durchführbarkeitsstudie ein, der im zweiten Anlauf bewilligt wurde und mit 50.000 Euro dotiert ist. Ihre Plattform „freach“ zur sprachbasierten Online-Therapie wurde als disruptive Innovation anerkannt. Mit ihrer Hilfe sollen zukünftig Therapeuten und Ärzte auf Basis einer Lizenz nicht nur Stottern behandeln, sondern auch weitere Sprach- und Stimmstörungen sowie psychische Erkrankungen. Nachdem die drei deutschen Partner die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens belegt haben, werden sie im nächsten Schritt EU-Förderung für die marktnahe Entwicklung und Internationalisierung von „freach“ beantragen. Denn Online-Therapie unterliegt keinen geographischen Grenzen. Diverse interessierte Partner in Portugal, Spanien, dem portugiesisch- und spanischsprachigen Amerika und Afrika warten bereits auf den Startschuss.

Wir interviewten Dr. Wolff von Gudenberg zu seinen Erfahrungen mit dem EEN der HTAI:

Wie sind Sie auf die Dienstleistungen des EEN der HTAI aufmerksam geworden?
Nachdem ich die Auftaktveranstaltung des EEN zu „Horizon 2020“ auf Anraten meines Beraters im Juni 2013 besucht hatte, wandte ich mich an das Team, um weitere Informationen zu erhalten. Ich stand mit meiner Idee zu diesem e-Health-Projekt noch ganz am Anfang. Allerdings hatte ich damals von der Hessen Agentur schon aus dem Landesprogramm „Hessische Modellprojekte“ Fördergelder für zwei Forschungsprojekte erhalten – eine telemedizinische Internetplattform und eine Pilot-Software ASSIST zum Üben im virtuellen Raum. Ohne diese Förderung wäre das EU-Projekt als Endpunkt einer längeren Entwicklung undenkbar.

Wie unterstützte Sie das EEN der HTAI bei Ihrem Vorhaben?
Sobald unsere Idee konkreter wurde und ich das EEN hinzuzog, fühlte ich mich sehr prompt und kompetent beraten. Frau Gibbert-Doll stand mir mit Rat und Tat zur Seite, machte Verbesserungsvorschläge, zog die Nationale Kontaktstelle KMU hinzu, wo es notwendig erschien und half uns bei der Auswahl des passenden Förderprogramms. Nach dem ersten knappen Scheitern gab sie uns ein wertvolles Feedback und ermutigte uns, den verbesserten Antrag erneut einzureichen. So fand ein reger Austausch statt – von der Projektidee über die Phase der Antragstellung bis zur Phase der Reflexion nach dem Scheitern bis zur erfolgreichen Wiedereinreichung. Nun stehen wir kurz vor der Vertragsunterzeichnung.

Können Sie anderen Unternehmen oder Einrichtungen empfehlen, das Beratungsangebot des EEN der HTAI zu nutzen?

Ja, unbedingt. Ich habe insgesamt nur positive Erfahrungen mit dem Team des EEN und der Hessen Agentur gemacht. Mein kaufmännischer Leiter nimmt zurzeit an einer Veranstaltungsreihe des EEN zum Thema Innovation teil, die er ebenfalls nur weiterempfehlen kann. Außerdem sind wir interessiert an dem dreitägigen Coaching, welches das EEN erfolgreichen Antragstellern im „KMU-Instrument“ vermittelt. Sobald wir nach Abschluss der Durchführbarkeitsstudie mit der Antragstellung für unser Innovationsprojekt starten, werden wir gerne wieder die Hilfe des EEN Hessen in Anspruch nehmen.

Kasseler Stottertherapie

 

Dr. Alexander Wolff von Gudenberg
Ärztlicher Leiter des Instituts Kasseler Stottertherapie
www.kasseler-stottertherapie.de

 


Diese Seite teilen: XING-Kontakten zeigen linkedin-Kontakten zeigen Auf Facebook posten Twittern! auf google teilen!


Inhalt als PDF drucken
Network guidance:
European Commission - Enterprise and Industry
 
enterprise europe network - Wir stehen Unternehmen zur Seite